Finanzierung eines Startup-Unternehmens
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Finanzierung eines Startup-Unternehmens

Frisch gegründete Entwicklerteams finden nur selten Investoren für ihr erstes Projekt. Wo die größten Hindernisse liegen und wie man es auch ohne Publisher schaffen kann, erläutern die Existenzgründer von Neutron Games, die sowohl öffentliche als auch private Förderer gewinnen konnten.

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Junge Teams werden während des gesamten Entwicklungsprozesses eines Computerspiels mit zahlreichen komplexen Aufgabengebieten konfrontiert. Dazu gehören Art- und Game Design, KI-Programmierung oder auch der Einsatz spezieller Middleware. Hinzu kommen eher unbeliebte Themen wie Projektmanagement, Recht und Marketing. Auch wenn nicht alle Studios im selben Umfang mit diesen Problemen zu kämpfen haben, um eine Frage kommt niemand herum: Wie finanziere ich überhaupt mein Projekt? Nur mit reichen Verwandten im Rücken lässt sich dieses Problem vernachlässigen. In allen anderen Fällen muss man sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Für die Finanzierung unserer Projekte sind wir bei Neutron Games einen etwas anderen als den sonst üblichen Weg in der Gamesbranche gegangen.

Die Produkte
Während der Finanzierungsphase hörten wir oft dieselbe Frage: Warum ausgerechnet Handball? Für uns ganz einfach zu beantworten. Gerade die WM 2007 im eigenen Land hat gezeigt, dass Handball die Leute begeistern kann. Der Sport ist schnell, spektakulär, taktisch und ex-trem spannend -- alles Punkte, die sich auch hervorragend auf einem Videospielcover machen würden. Gerade deswegen ist es erstaunlich, dass bisher kein einziges Handball-Actionspiel vergleichbar mit den etablierten Sportspielreihen von EA, Konami oder 2K Sports existiert.
Unsere Recherche hat ergeben, dass das Interesse an einem solchen Spiel in der Handball-Community europaweit enorm groß ist. Die USA und Japan stellen zwar keine Märkte dar, weltweit gibt es allerdings immerhin etwa 19 Millionen aktive Handballer. Die Herausforderung besteht darin, den recht komplexen Sport leicht verständlich, unterhaltsam und dennoch authentisch in einem Computerspiel umzusetzen.
Um dies zu gewährleisten haben wir eine dreigeteilte Produktstrategie entwickelt. Am Anfang steht die Produktion von Minigames, die einzelne Kernelemente des Handballs aufgreifen und dem Spieler ein Grundverständnis des Sports verschaffen. Im Anschluss folgt das eigentliche Serious Game »Handball Trainer 3D«, welches von Verbänden für die Schiedsrichterschulung eingesetzt werden kann und Trainern bei der spielerischen Vermittlung von Taktiken helfen wird. Im dritten Schritt vereinen wir die bis dahin erarbeiteten Elemente in Form von »Handball Challenge«, dem ersten Vollpreis-Handball-Actionspiel für PC und Konsole. Unser ehrgeiziges Ziel ist es, Handball langfristig auf dem europäischen Sportspielmarkt zu etablieren.

Finanzierung der Prototypenphase
Nachdem wir in Erfahrung gebracht hatten, dass bei den großen Unternehmen EA und Ubisoft kein Handballspiel in Arbeit war, konkretisierten wir unsere Planung für die Entwicklung unseres Spiels. Teil der umfangreichen Branchenanalyse war ein 40-minütiges Telefonat mit dem G.A.M.E.-Verband, das Ergebnis: Wir benötigten ein erfahrenes Team, 100.000 Euro für einen Prototyp und einen Publisher (in dieser Reihenfolge). Vier Aufgaben, die erst einmal gelöst werden mussten. Gregor hatte sich im Rahmen seiner Magisterarbeit sehr intensiv mit dem Verhältnis zwischen Entwickler und Publisher in Deutschland beschäf-tigt und so war uns von Beginn an bewusst, dass ein Publisherdeal ohne Track-Record schwierig sein würde. Wir brauchten eine Alternative.
Die Lösung kam für uns in Form des EXIST-Gründerstipendiums. EXIST ist ein Förderpro-gramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) und wird durch den Europäischen Sozialfonds kofinanziert. Das Programm richtet sich an technologisch-innovative Gründungsvorhaben und unterstützt gründungswillige Studenten und Absolventen deutscher Hochschulen. Finanziert werden Unterhaltskosten für bis zu drei Teammitglieder, Investitionskosten und Coachingkosten mit einem Gesamtbudget von (in unserem Fall) 92.000 Euro für einen Projektzeitraum von einem Jahr.

Die wichtigsten Voraussetzungen sind:

  • Hochschule bzw. Forschungseinrichtung mit eigenem Gründernetzwerk, die einen Mentor, Arbeitsplätze und die Verwaltung der Fördermittel stellt
  • eine innovative technologieorientierte oder eine innovative wissensbasierte Dienstleis-tung
  • ein etwa zehnseitiges Ideenpapier, das auch wirtschaftliche Perspektiven aufzeigt
  • Unternehmen darf noch nicht gegründet sein
  • Eine spätere Unternehmensgründung sollte angestrebt werden


Gregor holte seinen Kommilitonen Björn mit ins Boot, der bereits Erfahrungen im Projekt-management mitbrachte. Darüber hinaus sollte er für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens sorgen. Das Team wurde bei der Antragstellung zusätzlich durch die hervorragende Arbeit von Profund, der Gründungsinitiative der Freien Universität Berlin unterstützt.
Trotz guter Beratung haben wir mehr als ein Jahr Vorbereitung und zwei Anläufe bis zur end-gültigen Förderzusage gebraucht. Wir waren Anfang 2008 nach unserem Informationsstand das erste Team, das im Rahmen von EXIST ein reines Spieleentwicklungsunternehmen gründen wollte. Durch die lange Vorlaufzeit hatten wir bereits gute Leute versammelt und mit Hilfe der Universität ein KI-Konzept entwickelt. Darüber hinaus wurden wir von etablierten Partnern wie der lbxgames GmbH, dem Erstligaverein Füchse Berlin und handball-world.com, dem größten deutschen Internetportal zum Thema Handball unterstützt.
Die größte Herausforderung bestand darin, die Entwicklungs- und Lizenzkosten realistisch einzuschätzen und den Grad der technischen Innovation darzustellen. Durch intensive Nacharbeit und Präzision konnten wir die Bedenken des Projektträgers letzen Endes beseitigen und starteten Anfang August 2008 das Projekt »Handball Challenge«.

Unsere Lehren aus dieser Phase:

  • lange Vorlaufzeiten einplanen
  • Auch Ideenpapiere sollten alle relevanten Informationen beinhalten
  • Eine detaillierte Ausarbeitung von Keyfacts wie Technik, Innovationsgehalt und Finanz-plan ist für die Antragstellung Pflicht
  • Ein breit aufgestelltes Team und Netzwerk ist bereits vor der Antragstellung hilfreich


EXIST und Entwicklung des Proof-of-Concept
Für junge Gründungsunternehmen stellt EXIST eine hervorragende Chance dar, Ideen voranzutreiben und im besten Fall ein Produkt bis zur Marktreife zu entwickeln. Die Auflagen sind gründerfreundlich. Das Team kann Coachingleistungen im Wert von bis zu 5.000 Euro in Anspruch nehmen, es gibt ein Budget für Investitionen und -- in dieser Phase kurz nach dem Studium extrem wichtig -- der Lebensunterhalt des Gründerteams ist gesichert. Dennoch ist es bei einer personalintensiven Computerspielentwicklung in der Größenordnung von Handball Challenge nicht möglich, innerhalb eines Jahres ein marktreifes Produkt und ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen. Wir haben daher motivierte Praktikanten und Stu-denten ins Team aufgenommen, die das Projekt für wenig oder gar kein Geld unterstützt ha-ben. Außerdem wurden wir von der Docxcellence GmbH gesponsert, indem wir ihre Büroräume und Infrastruktur ein Jahr lang mitbenutzen durften.

Im Bewusstsein, dass dieses Jahr schnell vorübergehen würde, haben wir uns für folgende Roadmap entschieden:

  • Produktion eines stimmungsvollen Trailers, um Partner und Investoren von unserer Pro-duktidee zu überzeugen
  • Entwicklung eines Prototypen, um erste Assets für die spätere Produktion aufzubauen
  • Aufbau eines funktionierenden Projektmanagementsystems
  • Akquisition der Folgefinanzierung

Um eine Folgefinanzierung zu erhalten, mussten wir unsere Geschäftsidee frühzeitig präsen-tieren. Wir haben bereits im Dezember 2009, also knapp vier Monate nach Projektbeginn, mit der vom Projektträger eingeforderten Präsentation begonnen. Seitdem haben wir etwa 15 weitere unter anderem vor verschiedenen Venture Capital Firmen gehalten.
Das Coaching hat uns dabei besonders geholfen. Gerade das Thema Finanzierung sollte man unserer Erfahrung nach gemeinsam mit professionellen Beratern angehen. In Berlin gibt es hierfür das Technologie Coaching Center (TCC), das über ein großes Netzwerk verfügt und dank öffentlicher Förderung günstig Coachingstunden anbietet. Mittlerweile ist dieses Netzwerk auf die Kreativbranche erweitert worden.

Finanzierung durch Private Equity?
Wir haben uns während der EXIST-Phase vorerst darauf konzentriert, Handball Challenge mit Hilfe von Venture Capital oder Business-Angels zu finanzieren. Damit konnten wir immerhin einen Teilerfolg verbuchen. Uns war bewusst, dass wir mit einem klas-sischen Spieleprojekt Schwierigkeiten bei Exit-orientierten VC-Firmen haben würden. Des-halb verwarfen wir unsere Ein-Produkt-Strategie und entwickelten ein Konzept zum Aufbau der Marke Handball Challenge in Form eines umfangreichen Portfolios interaktiver Unterhal-tungssoftware mit Schwerpunkt Handball. Mit diesem Konzept konnten wir unter anderem Präsentationen bei Holtzbrinck, Axel Springer Internet-Beteiligungen, IBB-Beteiligungsgesellschaft, Triangel Venture Capital Group platzieren und stießen dabei auf Interesse. Allerdings konnten wir keinen Deal abschließen, was zum Teil an unserem Case selbst, aber auch daran, dass wir mit unserem Proof-of-Concept noch nicht weit genug fortgeschritten waren. Heute haben wir mit Herrn Dr. Schwemmer einen engagierten privaten Investor als Gesellschafter an Bord, den wir in mehreren persönlichen Gesprächen von unserer Idee überzeugen konnten.

ProFIT
Die Entscheidung, sich so früh wie möglich mit dem Thema Folgefinanzierung auseinanderzusetzen, erwies sich als genau richtig. Wir merkten schnell, dass Venture Capital Firmen zwar interessiert, aber dennoch verhalten auf unser Thema reagierten. So konnten wir rechtzeitig einen Alternativplan entwickeln. Unser Coach und Corporate Finance Berater Thomas Schröter (eVentureCat) machte uns auf das ProFIT-Programm aufmerksam und half uns gemeinsam mit seinem Team, unser Geschäftsmodell noch einmal diesbezüglich auf Herz und Nieren zu überprüfen.
ProFIT ist ein Programm der Investitionsbank Berlin (IBB) zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologievorhaben.

Die Förderung umfasst:

  • bis zu 3 Millionen Euro als Darlehen oder Beteiligung, maximal 80%
  • bis zu 400.000 Euro für Forschung bei Verbundprojekten pro Partner als Zuschuss, ma-ximal 80%
  • Firmen mit Betriebssitz in Berlin
  • sämtliche relevanten Kosten

Während dieser Phase wurde im Mai 2009 der Serious Games Wettbewerb Berlin von der Senatsverwaltung für Wirtschaft ausgerufen. Alle Gewinner erhielten neben den Preisgeldern auch eine Empfehlung zur Antragsstellung für das ProFIT-Programm.
Als wir das erste Mal vom Serious Games Wettbewerb erfuhren, war unsere Reaktion verhalten. Wir hatten zwar von Anfang an ein Trainingsmodul eingeplant, ein eigenes Serious Ga-mes Konzept zu entwickeln war allerdings noch eine Nummer größer. Durch die intensive Beschäftigung mit der Ausschreibung zum Wettbewerb zeigte sich aber, dass eine Konzentration auf das Serious Game Handball Trainer 3D nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle darstellt, sondern auch aus Produktions- und Marketinggründen sehr sinnvoll ist. Auf diese Weise können wir die von uns benötigte Technik entwickeln und testen sowie unsere Verbindung zur Zielgruppe aufbauen, ohne gleich mit den etablierten Größen der Branche in direkte Konkurrenz zu treten. Wir erhielten für das Serious Game bereits vor der Bewertung unseres Antrags im Rahmen der Preisverleihung sehr positives Feedback von unseren Handball-Partnern.

Der Auswahlprozess für den Serious Games Wettbewerb verlief wie folgt:

  • Einreichung des 90-seitigen Konzepts für den Wettbewerb
  • Jurysitzung
  • Preisverleihung
  • Empfehlung für Antragstellung
  • Einreichung eines Finanzierungsantrags
  • Ausschusssitzung der Investitionsbank Berlin
  • Erfüllen der Auflagen der IBB
  • Überweisung der Finanzierung in mehreren Tranchen (nach vorgelegter Finanzplanung)


Der Antrag auf eine ProFIT-Förderung kann aber auch jederzeit unabhängig vom Serious Games Wettbwerb eingereicht werden. Die ersten drei Schritte fallen dementsprechend weg. Stattdessen muss ein Projektvorschlag eingereicht werden.
Kurze Zeit später haben wir dann überraschender Weise den Serious Games Award gewonnen und uns gegen etablierte Mitstreiter durchgesetzt. Ausschlaggebend war dafür laut Jury nicht nur das spannende Thema, sondern auch der detaillierte und vor allem vollständige Wettbe-werbsbeitrag (90 Seiten!), den wir quasi eins zu eins für die Antragstellung bei der IBB ver-wenden konnten. Unser langfristiges Ziel, nämlich die Produktion eines qualitativ hochwerti-gen Handball-Actionspiels, stellten wir dabei explizit als Teil unserer Firmenstrategie heraus. Handball Trainer 3D ist dennoch ein völlig eigenständiges Produkt, das Anfang 2011 als Trai-nings- und Schulungssoftware veröffentlicht werden soll.

Hürden
Nachdem wir Ende August 2009 auch vom Ausschuss der IBB grünes Licht bekommen hatten (also eine stille Beteiligung über einen hohen sechsstelligen Betrag), mussten wir innerhalb kürzester Zeit die von der IBB gestellten Auflagen für die erste Tranchen-Auszahlung erfüllen, da unser EXIST-Stipendium bereits im Juli ausgelaufen war. Konkret bedeutete dies für Neutron Games: Innerhalb von etwa zwei Monaten das Unternehmen gründen (Preisgeld sei Dank), Team casten, Eigenfinanzierung sichern, Büros finden und Lizenzverträge schließen. Die größten Herausforderungen waren dabei die Suche und Verhandlung mit privaten Geldgebern sowie die Lizenzverhandlungen mit der Handball Bundesliga über die Rechte an den originalen Vereins- und Spielernamen. Da wir unser Wunschteam bereits beisammen hatten, bevor die Finanzierung endgültig gesichert war, mussten wir eine schwierige Entscheidung treffen. Starten wir die nächste Projektphase auf eigenes Risiko oder warten wir auf die endgültige Zusage der Geldgeber und riskieren damit, einen Teil unseres Teams wie-der zu verlieren. Wir haben uns schließlich für unser Team und damit für den rechtzeitigen Projektbeginn entschieden. Das hat uns einige schlaflose Nächte beschert. Mittlerweile steht die Finanzierung und wir haben die Entscheidung nicht bereut.

Medienboard Berlin-Brandenburg
Den letzten Baustein unserer Finanzierung stellt eine Förderung (Darlehen) des Medienboards Berlin-Brandenburg dar. Ihren Ursprung hat die Institution im Bereich Film. Im Rahmen der Standortförderung wurde jedoch ein kleines, aber feines Pilotprojekt zur Förderung von digitalen Inhalten, darunter Games-Prototypen, ins Leben gerufen und mit etwa einer Millionen Euro pro Jahr ausgestattet. Maximal 100.000 Euro werden bezuschusst, allerdings nur 50% der Kosten. Der Vorteil: Es werden auch Beistellungen und bereits geschaffene Werte anerkannt. Dazu muss das Darlehen nur bei kommerziellem Erfolg zurückerstattet werden. Bei der unkomplizierten Antragsstellung ist zu beachten, dass die Ausgaben einem Regionaleffekt unterliegen. Ein Studio in Indien kann damit also nicht fi-nanziert werden.
Wir können mit der Medienboard-Förderung an dem Storymodus von Handball Challenge weiterarbeiten und einen funktionierenden Prototyp inklusive Cinematics und Intro produzieren. Diesen präsentieren wir im Anschluss Publishern und Finanzierungspartnern, um die restliche Finanzierung für das Vollpreisspiel zu sichern. Neben der direkten Finanzierung lädt das Medienboard regelmäßig zu wichtigen Branchenveranstaltungen ein. Besonders für junge Unternehmen kann dies eine Plattform für die richtigen Branchenkontakte darstellen.

Unsere Erfahrungen aus dieser Phase:

  • Die Akquisitionen von Fördergeldern ist zeitintensiv. Zuständige Personen sollten sich auf den Bereich konzentrieren können und von weiteren Verpflichtungen entbunden werden. Erfahrene Berater helfen in dieser Phase, das Management sinnvoll zu entlasten.
  • Für eine Risikominimierung sollte das Projekt erst gestartet werden, wenn alle Förder-bedingungen erfüllt sind.
  • Die Auszahlung der Gelder dauert in der Regel länger als geplant. Die Abhängigkeit von Fördergeldern sollte daher vermieden werden.
  • Eine detaillierte und ausführliche Antragstellung lohnt sich!

Aktueller Stand und Ausblick
Unser Team wurde seit Anfang September immer weiter aufgestockt und hat sich mittlerweile auch mit der agilen Entwicklungsmethode Scrum angefreundet. Die Schnittstellen zu unseren Partnern funktionieren bereits und die in der EXIST-Phase intensivierten Kontakte sind ein großer Gewinn. Das Unternehmen ist nach dem »Hollywood-Modell« aufgebaut: Wie normalerweise bei Filmproduktionen üblich halten sich unsere Fixkosten dank einer schlanker Produktion in Grenzen. Wir nutzen mittlerweile die Vision Engine von Trinigy und lassen uns Trailer und Interface von externen Partner wie lbxgames und Wegemund VFX produzieren. Daneben arbeiten wir mit dem Gameslab der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zusammen und pflegen Kontakte zur Mediadesign Hochschule und der Freien Universität Berlin. Wir sind auch das erste Team, das ein Handball-Actionspiel mit offiziellen Lizenzen der Toyota-Handball-Bundesliga produziert.

Milestones
In den nächsten Monaten stehen wichtige Termine an. Zur Handball-EM 2010 im Januar werden wir unseren ersten offiziellen Gametrailer veröffentlichen, das Marketing intensivieren und ab März unsere Minigame-Serie »Handball Challenge Trainingscamp« starten. Bis dahin werden die Grundfunktionalitäten eines Handballspiels implementiert sein, so dass wir uns gemeinsam mit Trainern und Schiedsrichtern auf die inhaltliche Umsetzung des Handball Trainer 3D konzentrieren können. Geplant ist auch der Aufbau einer Serious Games Plattform in Berlin, die wir mit verschiedenen Partnern vorantreiben möchten.
Und zu guter Letzt werden wir natürlich die weitere Finanzierung von Handball Challenge angehen, dann allerdings ohne Fördergelder.

Fazit
Wir hoffen, dass im Laufe des Artikels deutlich wurde, wie wir den Weg vom Hobbyteam zur professionellen Firma bestritten haben. Wir haben dabei von einer professionellen Herangehensweise profitiert und die richtigen Partner für unsere Projekte gefunden.
Grundsätzlich glauben wir, dass es für ein unerfahrenes Team schwierig ist, derart große Projekte umzusetzen -- schwierig, aber nicht unmöglich. Besonders die Entscheidung für EXIST war für uns von Vorteil, da hier im sicheren Umfeld viel Basisarbeit geleistet werden konnte. Größere Förderbudgets machen vermutlich bei einzelnen Projekten etablierter Firmen mit so-lider Eigenkapitalausstattung am meisten Sinn. ProFIT bietet dabei günstige Zinssätze und kalkulierbare Tilgungsraten. Zum Teil können Gelder sogar als Zuschuss abgerufen werden, wenn man etwa mit wissenschaftlichen Verbundpartnern zusammenarbeitet. Junge Teams, die diesen Weg gehen wollen, sollten sich unserer Meinung nach professionell beraten lassen und mit Ansprechpartnern der Förderinstitutionen sprechen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie dort sehr hilfsbereit und auskunftsfreudig sind.
Nachteile bergen die zeitlich aufwendige Antragstellung, die engen Ausgabevorgaben, eine langfristige Budgetplanung vor Projektbeginn (die oft nur mit erhöhtem Auf-wand während der Förderung geändert werden kann) und der große Reportingaufwand, für den geschulte Mitarbeiter im Boot sitzen sollten. Besonders die Antragstellung kann aller-dings auch von Vorteil sein, da man sich sehr ausführlich mit seinem Projekt auseinanderset-zen muss. Der wichtigste Faktor bei der Finanzierung mittels Fördergeldern ist »Zeit«. Die Entscheidungsträger tagen normalerweise in zeitlich festgelegten Ausschüssen und haben auch intern Verwaltungsaufgaben zu bewältigen, so dass sich auch Auszahlungen verzögern können. Wer dies mit einberechnet, erhält eine sichere Finanzierungsbasis und kann nach der Finanzierungszusage abgesehen vom Verwaltungsaufwand in relativ ruhigen Wassern produ-zieren.

Über Neutron Games
Unser Ziel, das weltweit bislang erste Vollpreis-Handball-Actionspiel zu entwickeln, ist eng mit der Unternehmensgründung von Neutron Games verbunden.
Bereits 2006 fand sich über die Internetplattform developia.de ein kleines Hobby-Team, das sich im Vorfeld der Handball-WM 2007 in den Kopf gesetzt hatte, das erste Handball-Actiongame auf die Bildschirme zu bringen. Kurz darauf überschlugen sich die Ereignisse im Handballsport: Der Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft löste einen regelrechten Hype aus. Das ursprüngliche Team, bestehend aus dem Programmierer Arno Fischer und dem Grafiker Norman Krüsmann, wurde kurze Zeit später durch Gregor Ilg ergänzt. Neben seiner Nähe zum Handball brachte er umfangreiche Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen der Medienproduktion mit ein. Gregor, heute einer der Gründer der Neutron Games GmbH und selbst seit frühester Kindheit aktiver Handballer, hatte bereits 2004 infolge eines Kreuzbandrisses begonnen, seine Ideen für ein Handball-Computerspiel zu notieren. Nach langen Recherchen über Machbarkeit und Marktchancen wurde am 07.07.07 das »Neutron Games«-Team gegründet. Mitte 2009 folgte die offizielle Gründung der Neutron Games GmbH durch Gregor Ilg und Björn Kaminski.

Gregor Ilg, Björn Kaminski

zu den Autoren: Gregor Ilg ist Geschäftsführer von Neutron Games.
Gregor hat Kommunikations- und Literaturwissenschaften studiert. Seit 2001 ist er als freiberuflicher Videoeditor, 2D- und 3D-Artist für Image, Dokumentations- und Kurzfilme tätig. Er spielt seit 17 Jahren aktiv Handball und begann bereits 2006 mit der konzeptionellen Arbeit für die Produktion eines Handball-Actionspiels. Gregor ist bei Neutron Games für Game Design und Produktentwicklung zuständig.

Björn Kaminski ist ebenfalls Geschäftsführer von Neutron Games.
Björn ist studierter Kommunikations- und Betriebswirt und war bereits während seines Stu-dums für verschiedene Firmen in den Branchen Film, Print und Internet tätig. Von 2006 bis 2008 arbeitete er als Mitarbeiter und Dozent an der Freien Universität Berlin und zeitweise als Gutachter für die Fachhochschule St. Pölten/Österreich. Björn ist bei Neutron Games für Finanzen und Marketing verantwortlich.