Erfolgreich bewerben
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Erfolgreich bewerben


Als Human Resources Manager hat Doreen Kapahnke bei Radon Labs naturgemäß häufig mit Stellengesuchen zu tun. Hier verrät sie, wie man die Bewerbung richtig zusammenstellt und sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet.

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Bewerbungsschreiben sind Werbung in eigener Sache. Sie sollen den Personalverantwortlichen dazu einladen, die Person hinter der Bewerbungsmappe näher kennenzulernen. Für den Interessenten hingegen besteht die besondere Herausforderung darin, den potenziellen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass er sich für die angestrebte Position eignet.
Leider erhalte ich als Personalverantwortliche täglich viele Bewerbungen, die den grundlegenden Anforderungskriterien nicht oder nur ungenügend entsprechen. Die Unterlagen sind oftmals unvollständig und fehlerhaft. Eine schnelle und reibungslose Bearbeitung wird dadurch deutlich erschwert. Werden jedoch bei der Zusammenstellung der Unterlagen folgende konkrete Hinweise beachtet, steht der Einladung zum persönlichen Gespräch kaum etwas im Wege.
Bevor man jedoch mit der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz und der Anfertigung der Bewerbungsunterlagen beginnt, ist es dringend zu empfehlen, dass man sich über die eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Grenzen Gedanken macht. Hierzu sollte man erstmal die folgenden Fragen ehrlich für sich beantworten:

Wichtige Gedanken vor der Bewerbung

  • Bin ich mit meiner persönlichen und beruflichen Situation zufrieden?
  • Welche persönlichen Fähigkeiten besitze ich?
  • Welche Tätigkeiten beherrsche ich wirklich gut?
  • Welche Tätigkeiten machen mir dabei besonderen Spaß und motivieren mich?
  • Welche persönlichen und beruflichen Erfolge kann ich vorweisen?
  • Wie habe ich diese Erfolge erreicht?
  • Welche beruflichen Ziele habe ich bereits erreicht, welche strebe ich noch an?
  • Welche Erwartungen habe ich an den zukünftigen Arbeitgeber?
  • Wie viel Geld möchte ich verdienen?
  • Wie stelle ich mir die Zusammenarbeit in einem Team vor?


Die Bewerbungsmappe
Nun kann man mit der Erstellung der Bewerbungsunterlagen beginnen. Die folgenden Tipps erleichtern nicht nur die Arbeit der Personalverantwortlichen, sondern erhöhen zugleich die Chance auf ein Vorstellungsgespräch.

Der Inhalt einer vollständigen Bewerbung

  • Individuelles Anschreiben
  • Lebenslauf/Curriculum Vitae
  • Aussagekräftige Arbeitsproben
  • Zeugnisse

Das Anschreiben: glaubhaft überzeugen
Das Anschreiben ist eine knappe Selbstpräsentation mit den stärksten Argumenten. In der Regel ist es das erste Dokument, das der Personaler liest. Deshalb sollte es sehr klar, überzeugend und fehlerfrei formuliert sein. Hierzu gehört die genaue Bezeichnung der angestrebten Position, das ist besonders wichtig bei Initiativ-Bewerbungen. Neben der persönlichen Motivation muss man die eigene Eignung fundiert darstellen, indem man die erworbenen Kenntnisse, die eigene Qualifikationen und die beruflichen Erfahrung präzise formuliert.
Außerdem ist es hilfreich, wenn man auf den Ursprung der Bewerbung eingeht. Hierzu bezieht man sich auf ein vorheriges Telefonat, verweist auf ein Stellenportal oder Ähnliches. Nicht vergessen darf man die Angabe des frühsten möglichen Eintrittsdatums sowie der Gehaltsvorstellungen -- insbesondere dann, wenn es in der Ausschreibung ausdrücklich verlangt wird.
Insgesamt überzeugt eine knappe und schlüssig begründete Selbstvorstellung. Man sollte keinesfalls in übertriebene Lobeshymnen auf den Wunsch-Arbeitgeber verfallen oder die eigenen Kompetenzen schönfärben. Denn Letzteres fällt spätestens bei der Prüfung der Arbeitsproben und im Vorstellungsgespräch auf.
Auch wenn man sich in der Games-Branche häufig duzt, empfiehlt sich für die erste Zuschrift eine seriöse Anrede. Wenn im Stellenangebot ein Ansprechpartner genannt wird, sollte man auch das Anschreiben an ihn richten (»Sehr geehrte/r Herr/Frau XY«) -- und dabei unbedingt auf die korrekte Schreibweise des Namens achten.


Vor dem Vorstellungsgespräch sollte man unbedingt Informationen über das Unternehmen einholen. Ein Besuch auf der Homepage gehört deshalb zum Pflichtprogramm bei der Vorbereitung zum Vorstellungsgespräch.

Bestandteile des Anschreibens

  • Betreff: angestrebte Position
  • Anrede: förmlich
  • Einleitungssatz: Bezug
  • Bewerbungsmotivation
  • Individuelle Eignung/Qualifikation
  • Gehaltsvorstellung/Eintrittsdatum
  • Abschluss: freundlich und bestimmt


Der Lebenslauf: persönlich und beruflich

Der Lebenslauf gibt dem Adressaten einen schnell erfassbaren Überblick über die persönlichen und beruflichen Stationen des Bewerbers. Diese sollten auf dem aktuellen Stand und nachvollziehbar strukturiert sein. Bei den beruflichen Tätigkeiten ist zudem das Anstellungsverhältnis anzugeben. Für gewöhnlich wird der Lebenslauf als Tabelle dargestellt. Je nach persönlichen Vorlieben kann man zwischen zwei Formen wählen. Entweder fasst man die Stationen nach Themen-Schwerpunkten zusammen, zum Beispiel unter den Oberbegriffen Schulbildung, Ausbildung und Berufspraxis. Oder man zählt sie chronologischen auf, von der Schulzeit bis zur Gegenwart (deutsche Variante) beziehungsweise umgekehrt (amerikanisches Modell).
Ein Foto sowie die Angabe des Geburtsdatums und der Geburtsorts sind nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz freiwillig, allerdings sehen Personalverantwortliche sie immer noch gerne. Nicht mehr zeitgemäß sind Angaben zu Eltern und Geschwistern. Berufsrelevante Interessen ergänzen hingegen das persönliche Profil des Bewerbers. Abschließend E-Mail-Adresse und Telefonnummer nicht vergessen!


Bestandteile des Lebenslaufs

  • persönliche Daten
  • Berufstätigkeit/Praktika/Projekte: Unternehmen, Position mit kurzer Beschreibung der Tätigkeit, Ort und Zeitangaben
  • Hochschulstudium inkl. Thema der Abschlussarbeit
  • Berufs- und Schulausbildung
  • Zusatzqualifikation/Weiterbildung
  • sonstige (fachliche) Kenntnisse mit Niveauangabe
  • (berufsrelevante) Interessen


Die Arbeitsproben: Darstellung Ihres Könnens
In kreativen Arbeitsbereichen wie der Games-Branche, sind Arbeitsproben ein essenzieller Bestandteil jeder Bewerbung. Sie veranschaulichen die Vielseitigkeit des Könnens und geben Hinweise über das Engagement und die Begeisterung des Kandidaten.
Die Erwartungen an die Arbeitsproben sind in den Stellenausschreibungen meist sehr eindeutig formuliert. Notwendig sind je nach angestrebter Position Codesamples (C++/Java/Flash etc.), 2D-, 3D- oder Concept Artworks, Animationen, Skizzen, Design-Dokumente, Textproben oder anderes.
Für die Einschätzung der Fertigkeiten sollten die Arbeitsproben einen umfassenden Einblick in die interessantesten und gelungensten Arbeiten geben. Die Übersendung erfolgt via Email als PDF-, JPEG- oder ZIP-Datei. Links zu Download-Plattformen sind unerwünscht, weil sie zu aufwendig sind und die Prüfung zu lange dauert. Viele Unternehmen testen zudem vorab die Kreativität der Bewerber mit unterschiedlichen Aufgaben. Hierauf sollten sich die Kandidaten einstellen.

Die Zeugnisse: Nachweis über Qualifikationen
Zeugnisse belegen die schulischen und beruflichen Qualifikationen des Bewerbers und geben Aufschluss über vorherige Arbeitgeber, Verantwortlichkeiten und Aufgabenbereiche. So skizziert man den eigenen Erfahrungs- und Kompetenzstand, zeigt berufliche Erfolge auf und stellt wichtige Persönlichkeitsmerkmale heraus, etwa die Arbeitsweise, die Leistungsbereitschaft und die Teamfähigkeit.
Tipp: Auch in der Games-Branche sind Arbeitszeugnisse wichtige Referenzen. Sie sollten unbedingt vom ehemaligen Arbeitgeber eingefordert werden. Wichtig sind hierbei eine vollständige Aufschlüsselung des Tätigkeitsspektrums sowie dessen wahrheitsgemäße Beurteilung.

Das fertige Paket: Form und Versand

Die Bewerbungsunterlagen sind je nach Anforderung in deutscher oder englischer Sprache zu verfassen. Grundsätzlich ist auf eine fehlerfreie Rechtschreibung, die Vollständigkeit der Unterlagen und eine professionelle Gestaltung zu achten. Wenn man an dieser Stelle nachlässig arbeitet, nährt beim möglichen Arbeitgeber den Verdacht, dass man auch bei der Wahrnehmung der Unternehmensinteressen wenig Sorgfalt an den Tag legen könnte.
Falls das Unternehmen dies nicht ausdrücklich wünscht, sollte man die Bewerbungsunterlagen nicht mit der Post zusenden. Denn es ist heutzutage üblich, dass man sie per E-Mail verschickt. Die einzelnen Dokumente sollte man als PDF-, JPG- oder ZIP-Datei beifügen, insgesamt sollten die Dateien nicht größer als 4,0 Megabyte sein. Genaue Angaben findet man aber in der Regel auf der jeweiligen Unternehmens-Homepage. Im Einzelfall kann man auch zur eigenen Homepage verlinken, etwa bei Arbeitsproben. Wenn man bei der Zusendung einzelner Unterlagen unsicher ist, kann man jederzeit beim Unternehmen nachfragen. Das ist sogar erwünscht!
Am Ende braucht man vor allem Geduld. Die sorgfältige Bearbeitung der Unterlagen nimmt mindestens zwei Wochen in Anspruch. Zudem haben nur wenige Unternehmen eine Personalabteilung, die ausschließlich für das Bewerbungs-Management zuständig ist. Daher dauert es eine Weile, bis man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird.

Das Vorstellungsgespräch
Das Vorstellungsgespräch ist die Möglichkeit, sich als Persönlichkeit zu präsentieren. Es bietet die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und gibt Raum für die Beantwortung offener und spezifischer Fragen.
Grundsätzlich ist ein Vorstellungsgespräch immer eine Ausnahmesituation. Denn man muss sich in ungewohnter Umgebung mit begrenztem Zeitfenster und vor unbekannten Menschen so gut wie möglich präsentieren. Es ist ganz natürlich, dass dies viele Menschen verunsichert.
Die folgenden Tipps erleichtern diese Situation. Ich beginne mit einigen konkreten Hinweisen zur Gesprächsvorbereitung. Danach folgt eine Anleitung zur Selbsteinschätzung persönlicher und beruflicher Stärken und Schwächen. Den Abschluss bildet eine Skizze des Gesprächablaufes. Unterfüttert werden die einzelnen Bestandteile mit Fragen und Anregungen.

Die Vorbereitung: Planung schafft Sicherheit
Bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist es extrem wichtig, dass man sich über den möglichen Arbeitgeber umfassend informiert. Zum Beispiel über die Unternehmensgeschichte und -philosophie, die Produkte, die Schlüsselpersonen, die besonderen Erfolge und die Anforderungen an künftige Mitarbeiter. Diese Informationen findet man meist auf der Website des Unternehmens, in der Stellenbeschreibung, in Fachzeitschriften und bei Branchenverbänden. Oder man fragt Freunde und Bekannte. Auch telefonische Rückfragen beim Unternehmen sind unter Umständen ratsam, um mit vorbereiteten (!) Fragen weitere Informationen zu sammeln. Wenn bei der Recherche Fragen offen bleiben, sollte man diese notieren und im Vorstellungsgespräch stellen.
Da das Vorstellungsgespräch über die künftige berufliche und persönliche Entwicklung entscheidet, sollte man selbstverständlich pünktlich erscheinen. Also muss man sich schon bei der Planung über den Anfahrtsweg, die Verkehrsmittel sowie mögliche Verzögerungen informieren. Je weiter der Anreiseweg und je weniger Ortskenntnis, desto mehr Pufferzeiten sollte man einplanen. Wenn absehbar ist, dass man den Termin nicht rechtzeitig wahrnehmen kann, muss man anrufen und den Grund für die Verspätung mitteilen. Außerdem sollte man sich darüber informieren, ob das Unternehmen die Reisekosten erstattet. Falls nicht, empfiehlt sich eine Anfrage bei der Arbeitsagentur, die bei registrierten Arbeitssuchenden anfallende Kosten übernimmt.

Neben der Pünktlichkeit gibt auch die Kleidung des Bewerbers einen wichtigen Hinweis auf dessen Persönlichkeit. Beim Vorstellungsgespräch ist schon der erste Eindruck wegweisend für den weiteren Verlauf und die Erfolgschancen auf eine Einstellung. Aus diesem Grund nehmen die Kleidung und das allgemeine Erscheinungsbild einen hohen Stellenwert ein.
Die Kleidung sollte selbstverständlich sauber und gepflegt sein sowie zur angestrebten Stelle passen. Hier sollte man nach Branche, Unternehmen und vor allem der Position unterscheiden. Wenn man sich bei einem Entwicklerstudio bewirbt, ist der Casual-Stil angemessen. Das heißt, dass Männer gut beraten sind, wenn sie Hemd und/oder Pullover sowie eine vernünftige (!) Hose tragen.
Wenn das Gespräch hingegen bei einem Publisher stattfindet, kann es durchaus ratsam sein, im Anzug zu erscheinen. Frauen sollten generell auf einen zu kurzen Rock, durchsichtige oder eng anliegende Kleidung, einen zu tiefen Ausschnitt sowie übermäßig viel Schminke und Schmuck verzichten.
Von reiner Freizeitbekleidung wie Kapuzenpullis und Sportschuhen, also vom bequemen Schlabber-Look, ist dringend abzuraten. Denn dieser Stil wirkt für eine Vorstellungssituation viel zu leger und deshalb unangemessen. Denn dadurch kann ein kann ein zu gleichgültiger Eindruck entstehen, auch wenn die Kleidung bei der objektiven Bewertung des Bewerbers kaum eine Rolle spielen sollte. Selbstverständlich sollten auch die Haare bzw. die Frisur gepflegt sein. Wenn man sich bezüglich der Kleiderwahl unsicher ist, genügt eine kurze Nachfrage beim Unternehmen, ob ein bestimmter Stil gewünscht wird.


Formale Vorbereitung

  • Informationen zum Unternehmen und zur Branche sammeln
    - Art und Größe des Unternehmens
    - Unternehmensstruktur-, geschichte-, philosophie
    - Produkte
    - Erwartungen an Mitarbeiter
  • Anreise planen
    - Tag, Zeitpunkt, Ort ermitteln
    - Verkehrsmittel und Pufferzeiten
    - Erreichbarkeit per Mobiltelefon sicherstellen
    - Übernahme von Reisekosten klären
    - Ansprechpartner kennen
    - Dresscode-Check

Die Selbsteinschätzung: Stärken und Schwächen
Je fundierter man über das Unternehmen und die gewünschten Position Bescheid weiß, desto deutlicher signalisiert man das eigene Interesse für den angestrebten Arbeitsplatz. Zudem kann man seine beruflichen und persönlichen Ziele mit dem Unternehmensprofil und der Stellenbeschreibung vergleichen. Der Lohn dieser intensiven Auseinandersetzung ist, dass man sich über die eigenen Wünsche und Perspektiven klarer wird. So kann man diese im bevorstehenden Gespräch auch deutlich überzeugender vortragen. Indem man persönliche Zielen und berufliche Anforderungen abgleicht, bewahrt man sich zudem vor späteren Fehlentscheidungen und Enttäuschungen im Berufsalltag. Dabei ist es hilfreich, eine Selbstanalyse zu erstellen, die mit der man sich die eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse, Ziele und Grenzen bewusst macht. Dies ist unablässig und wird im Folgenden ausführlich behandelt:


Stärken- und Schwächen-Analyse

  • Selbsteinschätzung
    Ermittlung von persönlichen u. beruflichen Stärken und Schwächen

  • Fremdeinschätzung
    Ermittlung von persönlichen sowie beruflichen Stärken und Schwächen

  • Vergleich der Ergebnisse


Was sind persönliche Fähigkeiten?

Ein wichtiges Element der Selbstanalyse ist die Einschätzung persönlicher Fähigkeiten und Kenntnisse. Im ersten Schritt sollte man überlegen, was man überhaupt unter »persönlichen Fähigkeiten« versteht. Dann sollte man sich selbst einschätzen, wie stark einzelne Persönlichkeitsmerkmale ausgeprägt sind. Dabei kann es helfen, das Anschreiben vergleichend zur Hand nehmen: Welche Vorzüge hatte man darin formuliert? Nach welchen Eigenschaften könnte man beim Vorstellungsgespräch gefragt werden? Auch hier gilt also: je klarer das Selbstbild, desto überzeugender das Auftreten.
Hierzu muss man überlegen, welche Fähigkeiten der Arbeitgeber erwartet, und welche davon man selbst mitbringt. Kurz gesagt: Man muss nachdenken, wir gut man zum Stellenprofil passt, indem man sich die eigenen Stärken und Defizite klar vor Augen führt. Die folgenden Eigenschaften sind meist besonders wichtig.


Wichtige Eigenschaften

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Anpassungsfähigkeit
  • Lernbereitschaft
  • Engagement
  • Organisationsgeschick
  • Verhandlungsgeschick
  • Durchsetzungsvermögen
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Flexibilität
  • Sorgfalt
  • Zuverlässigkeit
  • Pünktlichkeit


Da das Selbstbild jedoch oftmals ein wenig trügt, empfiehlt es sich, die Meinung anderer Personen einzuholen. Die folgenden Fragen geben Anhaltspunkte dazu.

Das Fremdbild

  • Wie schätzen mich Angehörige, Freunde oder Bekannte ein?
  • Welche Eigenschaften und Fähigkeiten schreiben sie mir zu?
  • Welche Eigenschaften und Merkmale mögen sie an mir besonders?
  • Auf welche Schwachpunkte und Defizite werde ich aufmerksam gemacht?



Auswertung des Selbstbildes
Aus den gesammelten Antworten werden schnell persönliche Stärken und Schwächen sichtbar. Wer viele positive Kommentare erntet, dürfte tatsächlich viele Stärken haben. Andererseits sollte man auch nicht den Mut verlieren, wenn man viele negative Eigenschaften aufstöbert. Denn es ist auch wertvoll und hilfreich, über die eigenen Schwächen Bescheid zu wissen. Denn Defizite lassen sich durch kontinuierliche Arbeit an sich selbst beseitigen oder zumindest ausgleichen. Zudem sollte man sich bewusst sein, dass nicht alles, was man am sich nicht mag, objektiv gesehen wirklich eine Schwäche sein muss.
Nachdem man sich mit den persönlichen Merkmalen auseinandergesetzt hat, muss man sie zusätzlich mit den beruflichen Fähigkeiten abgleichen. Hierzu empfiehlt sich der Blick auf das Anschreiben und den Lebenslauf sowie die darin aufgeführten Kompetenzen, Qualifikationen und Arbeitserfolge. Denn auch aus den beruflichen Stationen lassen sich Eigenschaften ablesen. Wenn man beispielsweise neben dem Beruf ein Studium absolviert hat, lässt dies Rückschlüsse auf die Arbeitsbereitschaft (Motivation, Engagement) und die Arbeitsbefähigung (besondere Kenntnisse, Vielseitigkeit) zu. Außerdem geben die beruflichen Erfolge Hinweise auf das Methodenwissen, auf die Anwendungs-Kompetenzen, auf die Qualität und Quantität der Arbeit oder sogar auf soziale Indikatoren wie die Teamfähigkeit.
Bei der Selbst- und Fremdanalyse ist es allerdings unerlässlich, dass man ehrlich zu sich ist. Wer sich selbst belügt, gewinnt gewiss keine sichere und realistische Selbsterkenntnis. Spätestens im Vorstellungsgespräch wird dann klar, dass die im Anschreiben aufgeführten Eigenschaften und Fähigkeiten übertrieben und unwahr sind. Stattdessen sollte man im Gespräch zu den eigenen Schwächen stehen, aber auch erklären, wie man sie wettmachen möchte.
Zur Vorbereitung empfiehlt sich auch, das Vorstellungsgespräch mit Freunden oder Bekannten zu simulieren. Das eignet sich nämlich hervorragend dazu, das Auftreten und den Ausdruck zu schulen. Denn Freunde und Bekannte werden sicher ein ehrliches und konstruktives Feedback geben und somit helfen, Unsicherheiten zu reduzieren. So gestärkt kann man das Vorstellungsgespräch endlich angehen.

Im Stellenangebot steht, welche Dokumente das Unternehmen fordert. Bei Fragen: einfach anrufen!

Das Vorstellungsgespräch: eine Skizze
Wie schon der Name sagt, dient das Vorstellungsgespräch dient der VORSTELLUNG und der Beantwortung persönlicher und stellenbezogener Fragen. Der Personalverantwortliche möchte die Person hinter der Bewerbungsmappe, der Bewerber den potenziellen Arbeitgeber näher kennenlernen. Da Vorstellungsgespräche generell sehr unterschiedlich verlaufen, skizziere ich nachfolgend einen üblichen Verlauf, der bei der Gesprächsvorbereitung helfen soll. Je nach Unternehmen kann der Ablauf aber natürlich variieren.

Typischer Gesprächsablauf

  • Begrüßung
  • Smalltalk
  • Unternehmensvertreter stellt das Unternehmen und die zu besetzende Stelle vor
  • Selbstpräsentation des Bewerbers inkl. Beantwortung von Zwischenfragen (Beispielfragen folgen weiter unten)
  • Bewerber erhält Möglichkeit zu Nachfragen
  • Absprache für weiteres Vorgehen (Entscheidung)


Ablauf und Inhalt sind immer abhängig vom Unternehmen, von der zu besetzenden Stelle, von den Gesprächspartnern und letztlich auch vom Bewerber. Nach einer kurzen Begrüßung und einem kleinen Smalltalk sucht man zunächst die Räumlichkeiten für das Gespräch auf. Die Anzahl und die Positionen der Gesprächsteilnehmer können je nach Unternehmen variieren.
Da es in der Games-Branche viele mittelständische Unternehmen ohne eigene Personalabteilung gibt, kümmern sich oftmals die Geschäftsführer oder Abteilungsleiter um die Vorstellungsgespräche. Dabei stellen sie zunächst sich und ihre Position vor, dann das Unternehmen und die zu besetzende Stelle. Im Anschluss daran erhält der Bewerber die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Dabei sollte er die Stationen seiner bisherigen Schul,- Ausbildungs- und Berufslaufbahn kurz erläutern sowie seine Fähigkeiten und Qualifikationen darstellen.
Es ist üblich, dass die Unternehmensvertreter fachbezogene Zwischenfragen stellen, um sich ein genaueres Bild von den Fähigkeiten und Qualifikationen des Bewerbers zu machen. Die Personalverantwortlichen ziehen nämlich aus den früheren Leistungen des Bewerbers Rückschlüsse auf dessen zukünftige Arbeit. Denn die Unternehmensvertreter wollen sehen, ob der Bewerber sich mit den eigenen Schwächen und Stärken auseinandergesetzt hat, ob er ins Team und auf die Position passt. Ganz wichtig ist dabei, dass der Bewerber seine Vorzüge und Schwächen nachvollziehbar vorstellt.
Vielen Bewerbern ist dies unangenehm, weil sie zum einen nur selten über ihre positiven Seiten nachdenken und nicht angeben wollen. Ich möchte an dieser Stelle aber noch einmal betonen, dass es nicht darum geht, Stärken zu erfinden. Stattdessen sollte man über seine tatsächlichen Eigenschaften nachdenken und diese auch selbstbewusst preisgeben. Das wiederum stärkt die Selbstsicherheit und ist das beste Mittel in brenzligen Gesprächssituationen.

Was gefragt wird

Die Stärken und Schwächen sollte dabei stets mit einleuchtenden Beispielen aus dem Berufsleben oder anderen Lebensstationen illustriert werden. Eine reine Aufzählung reicht nicht! Man sollte ehrlich und glaubhaft begründen können, in welchen Situationen sich die eigenen Stärken gezeigt haben oder zeigen können. Außerdem sollte man ausführen, wann die genannten Schwächen auftreten und wie man sie ausgleichen möchte.
Wenn man seine Stärken nennt, sollte man darauf achten, dass der Großteil im Anforderungsprofil der Stelle aufgeführt ist. Generell lässt sich auch sagen, dass wenige »gute« Stärken besser sind, als viele »schlechte«. »Gut« und »schlecht« bezieht sich hierbei auf die Nachvollziehbarkeit und die Stellenrelevanz.
Im Gespräch werden häufig die folgenden Fragen zu persönlichen und beruflichen Merkmalen und Stationen gestellt. Vor dem Gesprächsbeginn sollte man sich darauf vorbereiten. Fragen zur Schul- und Ausbildungszeit sowie zur persönlichen Freizeitgestaltung kommen ebenfalls oft auf, ich liste sie hier jedoch nicht gesondert auf.


Typische Fragen

  • Fragen zum beruflichen Werdegang und Fachkenntnissen:

    - Welche Gründe gibt es für Ihren angestrebten Wechsel?
    - Bei welchen Unternehmen haben Sie sich noch beworben?
    - Welche Aufgaben haben Sie bei ihrer letzten Tätigkeit konkret übernommen?
    - Verfügten Sie über Personal- und Budgetverantwortung?
    - Was hat Ihnen bei Ihrer letzten Tätigkeit nicht gefallen?
    - Über welche Fachkenntnisse verfügen Sie?
    - An welchen fachlichen Schwächen möchten Sie zukünftig arbeiten?
  • Fragen zur Persönlichkeit:

    - Welche guten Charaktereigenschaften zeichnen Sie aus?
    - Welches persönliche Merkmal würde Sie gerne verändern?
    - Wie gehen Sie mit gerechtfertigter Kritik um?
    - Wie gehen Sie mit unerwarteten Schwierigkeiten um?

  • Fragen zur Stelle:

    - Warum bewerben Sie sich bei uns?
    - Was interessiert Sie an der Stelle besonders?
    - Inwieweit erfüllen Sie die Stellenanforderungen?
    - Inwieweit werden Ihnen Ihre Stärken bei der Bewältigung Ihrer Aufgaben helfen?
  • Fragen zum Unternehmen:

    - Welche Informationen besitzen Sie über unser Unternehmen?
    - Welche Erwartungen haben Sie an einen neuen Arbeitgeber?
  • Fragen zur Arbeits- und Berufseinstellung:

    - Wie gehen Sie eine komplizierte Arbeitsaufgabe an?
    - Was bedeutet für Sie beruflicher Erfolg?
    - Auf welche Eigenschaften legen Sie im Berufsleben hohen Wert?
  • Fragen zur Zusammenarbeit:

    - Wie wichtig ist Ihnen Teamarbeit? Was verstehen Sie darunter?
    - Welche Eigenschaften schätzen Sie an Kollegen und Vorgesetzten, welche nicht?
    - Wie haben Sie Differenzen mit Kollegen und Vorgesetzten bisher ausgetragen?
    - Welche Eigenschaften zeichnen Sie als Führungskraft aus?
  • Fragen zu Konditionen:

    - Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?
    - Sind Sie bereit Überstunden zu leisten und wenn ja, in welchem Umfang?
  • Fragen zum Ende des Gespräches:

    - Nennen Sie abschließend in fünf Punkten, warum Sie der richtige Kandidat sind!
    - Aus welchen Gründen haben Sie uns im Vorstellungsgespräch überzeugt?


Rahmenbedingungen klären
Ein wichtiger Teil des Vorstellungsgesprächs ist es, Rahmenbedingungen des künftigen Arbeitsverhältnisses zu besprechen. Dazu gehören das mögliche Eintrittsdatum, die Anstellungsart (Festanstellung oder freie Mitarbeit) sowie ein Dialog über das Gehalt inklusive der persönlichen Verhandlungsgrenze sowie der Urlaubstage, Gratifikationen und so weiter. In der Regel werden verbindliche Konditionen allerdings erst bei der Zusage angeboten.
Bevor das Vorstellungsgespräch abgeschlossen wird, sollten alle offenen Fragen beantwortet sein. Der Unternehmensvertreter gibt dann bekannt, wann er eine Entscheidung treffen wird, und wann der Bewerber mit der Rückmeldung rechnen kann. Viel Erfolg bei der Stellensuche!

Doreen Kapahnke

Doreen Kapahnke
arbeitet als Human Resources Manager für Radon Labs.

Doreen Kapahnke ist Diplom-Pädagogin, sie studierte Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung, Psychologie und Soziologie an der Freien Universität Berlin. Seit Dezember 2007 ist sie als Human Resources Manager für Radon Labs tätig, ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Recruiting und in der Personalbetreuung.